Geschichte des Wingolfs

Die jüngere Theologenkneipe in
Bonn 1841
Gründungszeit bis 1870
Der Wingolf betrachtet, nach verschiedenen Vorläufern seit 1826, das Jahr 1844 als eigentliches Gründungsdatum. Er entstammt der deutschen Romantik und dem Vormärz und hat mit seiner Liebe zum Vaterland, seinem Bekenntnis zu Christus und mit seiner korporativen Lebensform teil an der urburschenschaftlichen Tradition.

Der Name "Wingolf" geht zurück auf Klopstock (1724-1803), der in seinen Wingolfsoden das Wort "Wingolf" als "Tempel der Freundschaft" deutete. 1844 trafen sich die ersten Wingolfsverbindungen in Schleiz (Thüringen), ab 1850 wählten sie die Wartburg als Tagungsort und feierten seitdem in Eisenach ihre Wartburgfeste. Dort einigten sie sich auf das gemeinsame Prinzip: "Der Wingolf ist ein christlicher Studentenverein". Die darin ausgesprochene Forderung, die überlieferten Formen studentischer Verbindungen an den Forderungen des Christentums zu messen, schreibt dem Wingolf seine Stellung vor und beherrscht seine Geschichte.

Seit 1848 sind Schwarz-Weiss-Gold die offiziellen Farben des Wingolfs, doch tragen einige örtliche Verbindungen auch andere Farben. Duell und Mensur lehnt der Wingolf - durch sein christliches Ethos bedingt - seit jeher ab. Der Wahlspruch des Wingolfs lautet: "Durch Einen Alles" (griechisch: Di´ Henos Panta). Sein Bekenntnis zu Christus vertritt der Wingolf ohne Bindung an eine bestimmte Konfession; er ist bewusst ökumenisch. Organisatorisch schlossen sich die Wingolfsverbindungen 1852 zum Gesamtwingolf mit gegenseitigem Eintrittsrecht zusammen. Daraus ergaben sich aber bald Schwierigkeiten, einmal infolge der verschiedenen Gesetze der deutschen Einzelstaaten, dann wegen der Eigenentwicklung der Verbindungen. Ein nach dem Alter der Verbindungen von Wartburgfest zu Wartburgfest wechselnder Vorort führt seitdem die Bundesgeschäfte. Im ganzen Bund gilt das brüderliche "Du", auch unter den Philistern (Alten Herren).