Geschichte des Wingolfs

Wartburgfest des Wingolfs 1963 in
Freudenstadt/Schwarzwald
Nach dem Zweiten Weltkrieg
sind seit 1947 an 31 Hochschulorten der Bundesrepublik Deutschland und Westberlins 32 Wingolfsverbindungen neu entstanden. Auch der Wingolf zu Wien ist seit 1960 Mitglied des Wingolfsbundes. Der 1948 neu gegründete Wingolfsbund hat das Wingolfsprinzip "Di' Henos Panta", das ernsthafte Streben nach christlicher Lebenshaltung fordert, für seine Verbindungen verbindlich gemacht.
Auf dem ersten Wartburgfest nach dem Krieg im Juni 1949 in Eltville wurden die aus dem Wingolf auf Druck der Nationalsozialisten ausgeschlossenen "Nichtarier" und Freimaurer um Verzeihung gebeten und diese Bitte wurde angenommen. Diejenigen Bundesbrüder, die überlebt hatten und wieder gefunden werden konnten, sind in den Bund zurückgekehrt. In Eltville wurde ferner der Beschluss gefasst, die Liquidation des VAW aufzuheben. Dr. Lütkemann wurde zum Vorsitzenden der Philisterorganisation gewählt. Das hochschulpolitische Engagement der Wingolfiten wurde durch den 1951 gegründeten Hochschulpolitischen Ausschuss intensiviert. Umerziehung, Neuordnung und Demokratisierung, die nach dem Kriege in der Bundesrepublik erfolgten, fanden auch im Wingolf ihren Niederschlag, indem auf dem Wartburgfest im Mai 1953 folgende Resolution verabschiedet wurde: "Der Wingolfsbund hält es für notwendig, in den Verbindungen in vermehrtem Maße die Erziehung der Bundesbrüder zu Menschen mit lebendigem staatsbürgerlichen Interesse und dem Bewusstsein einer besonderen politischen Verantwortung zu fördern". So regeln in den einzelnen Verbindungen die Bundesbrüder in demokratischer Form das Verbindungsleben. Als Erziehungsgemeinschaft ist der Wingolf bestrebt, seine Mitglieder in ihrer Verantwortung als Akademiker und Christen in Staat und Gesellschaft einzufügen. Frei von jeder parteipolitischen Bindung lehnt der Wingolfsbund jegliche Art von Extremismus ab. Zu den Verbindungen des Falkensteiner Bundes in der Schweiz bestehen freundschaftliche Beziehungen. 1970 wurde der Wingolf durch das Reformprogramm des Göttinger Wingolfs, das u.a. eine Mitgliedschaft von Studentinnen vorsah, mit seinem Selbstverständnis beschäftigt. In der "Bielefelder Abmachung" von 1971 wurde geklärt, dass der Wingolf als Ganzes beim Grundsatz des Männerbundes bleibe.